Wie konnte Gott Mensch werden?
Einer der bekanntesten Jesus-Forscher unserer Zeit, der britische Theologe James Packer, über Weihnachten und was es bedeutet, dass Gott Mensch wurde.
Wunder - unmöglich? Die Jungfrauengeburt - ein Witz? „Unsere eigentliche Skepsis gilt gar nicht den Wundern, der Jungfrauengeburt oder der Auferstehung", sagt Professor James Packer, „sondern der Behauptung, dass Gott in einem Baby in diese Welt kam." Warum er die Menschwerdung Gottes für das wichtigste Ereignis der Geschichte hält und was sie in unserem Alltag auslösen kann, erklärt der Theologe im folgenden Interview.
Steffen Schulte: Immer mehr Menschen kennen die Bedeutung von Weihnachten nicht mehr. Warum ist Weihnachten für Sie wichtig?
James Packer: Kurz gesagt: Weil Gott zu uns kam. Dass er in Jesus Christus Mensch wurde, ist das wundervollste und grösste Ereignis seit der Erschaffung dieser Erde. Die Weihnachtsbotschaft sagt: Es gibt noch Hoffnung für unsere heruntergekommene, kranke Welt.
Dass Gott als Baby in die Menschheitsgeschichte eingetreten ist, ist aber für viele nur schwer vorstellbar.
Das stimmt. Ich merke das auch immer wieder. Für viele Menschen besteht die eigentliche Schwierigkeit mit dem christlichen Glauben gar nicht unbedingt in der Auferstehung oder den anderen Wundern. Die tiefste Skepsis gilt den Berichten über Weihnachten: Der allmächtige Schöpfer wird ein Kind in Windeln? Ein Kind, das gestillt werden muss? Das nicht laufen kann und sprechen lernen muss wie jeder andere Mensch? Die Menschwerdung Gottes ist in der Tat das grösste Geheimnis, mit dem uns die Bibel konfrontiert. Aber wenn wir an den Punkt kommen, wo wir diesen Punkt als Tatsache akzeptieren können, lösen sich plötzlich auch alle anderen intellektuellen Zweifel auf.
Christus ist der Sohn Gottes. Die Vorstellung von „Göttersöhnen" ja auch aus der antiken Mythologie bekannt. Was ist an dem Gedanken denn so neu?
Nehmen wir zum Beispiel Herkules: Der Sage nach hatte er zwar einen „Gott" - in diesem Falle Zeus - zum Vater, dazu kam eine menschliche Mutter. Dennoch stellten die Griechen ihn sich nicht als jemanden vor, der eine göttliche Natur besitzen würde. Herkules war übermenschlich, aber kein Gott.
Die biblische Aussage über die Menschwerdung des Schöpfers beinhaltet etwas vollkommen anderes. Sie besagt, dass eine der drei Personen, die Gott „bilden", nämlich Gott, der Sohn, in Gestalt eines Babys aus Fleisch und Blut in diese Welt kommt. Und dass er dabei dennoch derselbe Sohn blieb, der er bereits im Himmel gewesen war - nur eben in menschlicher Gestalt. Jesus lässt keinen Zweifel daran aufkommen, wer er ist: Gott selbst. So sagte er über seine Beziehung zum himmlischen Vater, dass sie in ihrer Form einzigartig sei und dass niemand ausser ihm sie besitze. Dazu behauptete er, er sei dem himmlischen Vater in Kraft und Weisheit gleich und ihm gebühre die gleiche Anbetung. All das stellt die christliche Lehre der Menschwerdung Gottes auf einen ganz anderen Boden als irgendeine antike Vorstellung von göttlicher „Vaterschaft".
Was bedeutet es denn für uns, dass Gott Mensch wurde?
Zunächst einmal bekommen wir so eine ganz entscheidende Information über Gott: Die Menschwerdung Gottes macht und klar, dass Gott aus mehr als einer Person besteht und doch gleichzeitig „einer" ist. Schon zu Beginn der Bibel stellt Gott sich in der Mehrzahl vor (beispielsweise bei 1. Mose 1,26). Und auch die Aussagen Jesu und weitere Texte des Neuen Testaments sprechen eindeutig von einem Gott, der sich in drei Personen darstellt: als der Vater, der Sohn und der heilige Geist.
Das ist eine weitaus entscheidendere Aussage, als wir auf den ersten Blick annehmen. Stellen wir uns vor, Gott wäre nur eine Person - schon stünden wir vor einem tief greifenden Problem: So hätte zum Beispiel die Aussage, dass Gott die Liebe ist (1. Johannes 4,16), überhaupt keine Grundlage. Sie basiert nämlich auf der Tatsache, dass der Vater, der Sohn und der heilige Geist in einer von Liebe geprägten Beziehung zueinander stehen. Und weil Liebe die treibende Kraft in dieser Beziehung ist, ehrt der Sohn den Vater, der Vater ehrt den Sohn, der Sohn ehrt den heiligen Geist und der heilige Geist wiederum ehrt beide. Damit hat Gott selbst den Standard für das gesetzt, was wahre Liebe ausmacht: nämlich einen anderen zu ehren und zu achten. Wir wüssten nicht, was Liebe ist, wenn Gott sie uns nicht „vorleben" würde.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist folgender: Indem Gott Mensch wird, lebt er uns selbst vor, wie vollkommenes Menschsein aussieht. Jesus Christus lebte ein Leben in Freiheit und Erfüllung, indem er es in absoluter Hingabe an den guten Willen des himmlischen Vaters lebte. Zugegeben: In unserer heutigen Gesellschaft ist der Gedanke, dass in der Hingabe an jemanden Freiheit liegen soll, vollkommen absurd. Paradox nahezu - für manchen einen klingt das wirklich ziemlich verrückt.
James PackerJesus Christus war also Gott und Mensch in einer Person. Können Sie das erklären?
Ich will es versuchen, aber eins steht schon fest: Egal, wie geschickt wir es zu erklären versuchen und wie nah wir diesem Wunder kommen mögen - dass Gott Mensch wurde, bleibt immer ein Stück ein Geheimnis. Die frühe Kirche hat im Jahr 451 einen Lehrsatz formuliert, der die Menschwerdung folgendermassen umschreibt: Die Natur Gottes und die Natur des Menschen war in Jesus Christus „ungetrennt, ungesondert, unvermischt und unverwandelt".
Interessant finde ich übrigens, dass das Neue Testament an keiner Stelle den Versuch startet, uns diese Tatsache näher zu erläutern. Dass Jesus Mensch und Gott zugleich war, wird uns schlicht als eine göttliche Realität mitgeteilt, die wir im Glauben annehmen können oder aber eben ablehnen. Und ich habe den Eindruck, dass es Gott eher darum geht, dass wir diesem Geheimnis als Tatsache vertrauen lernen, als dass wir die „Methode" und das „Wie" dahinter vollkommen verstehen. Die biblischen Aussagen lassen jedenfalls keinen Zweifel zu, dass Jesus Christus einhundertprozentig Mensch und gleichzeitig einhundertprozentig Gott war.
Musste Gott denn erst Mensch werden, um uns und unsere Lebensumstände besser zu verstehen?
Ich bin sicher, dass Gott zu jeder Zeit wusste, wie seine Menschen „ticken" und was sie bewegt. Meiner Meinung nach musste Gott nicht erst lernen, was es heisst, Mensch zu sein. Der Gedanke, der sich dahinter verbirgt, ist wohl vielmehr der, dass wir uns nun sicher sein können, dass Gott uns auch wirklich versteht. Aber auf jeden Fall hat er nun das menschliche Leid ganz konkret auch auf unserer Ebene durchlebt.
Was hat es für Gott bedeutet, Mensch zu werden?
Sicher kann sich niemand wirklich vorstellen, wie sich das für ihn angefühlt haben muss. In der Bibel im Brief an die Philipper lesen wir im 2. Kapitel, dass Jesus Christus „göttliche Gestalt" hatte, was bedeutet, dass er Gott in Wesen und Natur gleich war. Doch statt sich an seine Herrlichkeit zu klammern, die er im Himmel besass, liess er sie los. Der Erschaffer und Herr des Universums demütigte sich, wurde ganz klein und wurde ein Mensch, um uns nah kommen zu können. Als Gott-Sohn fand er stets seine Freude und Erfüllung darin, den Willen des Gott-Vaters zu tun. Und ganz besonders da, wo es um unsere Erlösung ging.
Einmal sagte Jesus: „Der Sohn ist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld zu geben für viele." Ohne Frage war der Tod durch die Kreuzigung der tiefste Punkt der Entwürdigung, der Scham und der Unbedeutsamkeit, den die damalige Kultur kannte. Und doch wurde genau dieses Kreuz zum Brennpunkt der Erlösung. In Jesus Christus stieg Gott ganz tief zu uns herunter, um uns zu befreien.
Gerade mit diesem Aspekt des christlichen Glaubens haben viele so ihre Probleme. Wenn Gott allmächtig ist, hätte er uns da nicht auch erlösen können, ohne ans Kreuz zu gehen?
Die Bibel lässt keinen Zweifel daran, dass es der einzige Weg war, auf dem Gott uns retten konnte. Ganz davon abgesehen glaube ich persönlich, dass Gott eine weniger „kostspielige" Alternative gewählt hätte, wenn es sie gegeben hätte.
Ein Gedanken, den wir der Frage nach dem Kreuz voranstellen müssen, ist folgender: Durch die gesamte Bibel hindurch offenbart Gott sich als der Heilige, der Vollkommene. Heiligkeit umschliesst aber eben auch vollkommene Gerechtigkeit, die nichts Ungerechtes, Unheilvolles und Zerstörerisches dulden kann. Gerechtigkeit wäre nicht mehr gerecht, wenn sie es täte. Also muss Gott uns Unheilstifter zur Verantwortung ziehen. Denn Gerechtigkeit fordert Wiedergutmachung für geschehenes Unrecht. Im Römerbrief heisst es in Kapitel 8: „Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle in den Tod gegeben." Dies ist eine unglaubliche Aussage über die Liebe Gottes! Die Worte „nicht verschont" sollen uns deutlich machen, dass er uns auch alles andere gegeben hätte - doch alles andere war nicht genug. Das grösste Geschenk, als tiefsten Ausdruck seiner Liebe, machte er uns damit, dass sein Sohn unsere Sünden wegnahm, indem er unsere Strafe auf sich nahm.
Sünde, Gerechtigkeit, Versöhnung, neues Leben - können Sie erklären, was sich hinter diesen Begriffen verbirgt?
Gottes Plan war es, dass der Erlöser unter den gleichen Bedingungen leben musste, wie die Menschen. Da wo einst der erste Mensch Adam versagt hatte, sollte er es richtig machen. Darum nennt die Bibel Jesus auch den „letzten Adam". Dazu erfordert die Vollkommenheit des himmlischen Vaters, dass Vergeltung von Schuld nur von einer schuldlosen und ebenso vollkommenen dritten Partei erwirkt werden konnte. Jesus Christus, der ein Leben frei von jeglicher Schuld geführt hatte, war diese Person. Weil er selbst schuldlos war, konnte er mit seiner Lebenshingabe am Kreuz die Basis für Vergebung und ein neues Leben für die Menschen schaffen. Ohne diese Tat wären wir für Gott verloren. Darum sollte niemand die Bedeutung des Kreuzestodes und der Auferstehung schmälern.
Aber das ist nicht alles. Durch seinen Tod hat Jesus nicht nur Vergebung erwirkt, sondern die Grundlage für Gemeinschaft zwischen sich und den Menschen gelegt. Das Kreuz ist nicht nur Ort der Versöhnung, sondern es wird quasi zum „Eintrittstor" in diese lebensspendende Gemeinschaft mit Gott selbst - und das für jeden, der Jesus als seinem Erlöser vertraut.
Wenn ich in diese Gemeinschaft eintrete, wird etwas in mir ganz neu. Die Bibel benutzt dafür ein Bild: Sie spricht davon, dass man ein „neues Herz" bekommt. Mit einem Mal ist der heilige Geist die treibende Kraft und nicht länger unser Ego. Der Glaubende erlebt es, dass es plötzlich sein tiefstes Verlangen ist, Gott zu lieben, zu ehren, zu verherrlichen und ihm zu dienen - genauso wie einst Jesus den himmlischen Vater ehren wollte.
Warum sieht man denn davon häufig so wenig im Leben von Christen?
Weil das alles nicht sofort, sondern in einem Prozess geschieht. Der Mensch wird zwar im Augenblick seiner Umkehr zu Gott innerlich vollkommen erneuert, aber es braucht seine Zeit, bis sich das auch äusserlich zeigt. Und abgeschlossen wird dieser Prozess erst dann sein, wenn Jesus Christus wiederkommt.
Die Sünde bleibt trotzdem ein Teil der menschlichen Natur. Sünde ist eine gewaltige Kraft, die um das Herz kämpft. Und obwohl sie durch Jesus Leben entthront wurde, wurde sie noch nicht gänzlich zerstört. Sie ist immer noch da und bekämpft uns und Gott, indem sie einem von Gott ablenken will. Von Zeit zu Zeit schafft sie es, auch Gläubige aus der Bahn zu werfen und Gott nicht zu folgen. Aus diesem Grund müssen wir auch die Bitte Jesu im Vaterunser ernst nehmen: „Und vergib uns unsere Schuld ..." Jeden Tag tut auch ein Christ Dinge oder denkt Gedanken, die vergeben werden müssen.
Und wie sieht Christsein ganz praktisch im Alltag aus?
Die Charaktereigenschaften Jesu sollten jene die Christen geworden sind prägen. Es geht um das, was Paulus in Galater 5,22 als „Frucht des Geistes Gottes" bezeichnete: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Bescheidenheit und Selbstbeherrschung. All diese Eigenschaften sind in Jesus Christus personifiziert. Man sollte leben, wie er gelebt hat, tun, was er getan hat.
Klingt gut, aber nicht einfach.
Ganz klar: Auch wenn der heilige Geist in einem Christ lebt, ist man als Person gefragt. Gewisse „geistliche Übungen" wie Gebet, Bibellesen oder Selbstprüfung sind nötig, um den Charakter Jesu in sich auszubilden. Gott wirkt das Gute, aber er braucht auch Mitarbeit. Ich habe in Predigten den heiligen Geist oft als unseren Trainer beschrieben. Er sagt uns: „Sieh auf Christus, sieh wie er es macht", und er prüft mit uns anhand des Wortes Gottes, was wir tun, ob wir es richtig tun und ob unsere Motive stimmen.
Das christliche Leben erscheint vielen nicht attraktiv, weil es eben auch nach Verzicht und Arbeit klingt. Die Wahrheit aber ist, dass der Reichtum, den Jesus gibt, mit nichts vergleichbar ist. Das Leben mit Christus ist enorm lebenswert, enorm voller Freude, enorm erfüllend. Kein Leben kann das Leben eines Christen an Qualität übertreffen.
Hat Jesus behauptet, dass er Gott sei? Wenn ja: Hat er das auch bewiesen?
Ein Mensch bezeichnet sich als Gott - das ist entweder die grösste Anmassung aller Zeiten oder die grösste Umwälzung. Entscheidendes spricht dafür, dass Jesus diesen Anspruch zu Recht erhob.
Im Laufe der Geschichte haben mehrere religiöse Führer eine grosse Anhängerschaft gewonnen. Aber nur Jesus Christus hat behauptet, er sei Gott in menschlicher Gestalt. Es ist ein weitverbreitetes Missverständnis, dass einige oder viele Religionsführer in der Welt ähnliche Ansprüche erhoben hätten. Buddha, Moses oder auch Mohammed haben nie behauptet, selber Gott zu sein. Doch Jesus, der Zimmermann aus Nazareth, sagte, wer ihn (Jesus) gesehen habe, der habe den Vater (also Gott) gesehen.[1]Er hat also ausserordentlich hohe Ansprüche erhoben. Er sagte, dass er bereits vor Abraham existiert habe[2] und dass er dem Vater gleich sei[3]. Jesus nahm für sich in Anspruch, Sünden vergeben zu können[4], was nach den Aussagen der Bibel nur Gott tun kann[5].
Zustimmung und Protest - schon damals
Neben diesen Aussagen über sich selbst gibt es ganz ähnliche aus der Feder von Autoren des Neuen Testaments. Sie setzen Jesus mit dem Schöpfer des Universums gleich[6] und mit dem, der alles erhält[7]. Dem ehemaligen Christenhasser Paulus war Jesus in einer besonderen Offenbarung begegnet. Wenige Jahre später schreibt er, dass Gott im Fleisch offenbart wurde[8], d.h. menschliche Gestalt annahm. Ähnlich äusserte sich einer der engsten Freunde von Jesus, sein Jünger Johannes: »Das Wort war Gott«.[9]
Jesus und die Verfasser des Neuen Testaments erklären also gemeinsam, dass Jesus mehr war als ein Mensch; nämlich Gott. Und zu diesen Verfassern zählen eben nicht nur seine Freunde, sondern ebenso einzelne frühere Feinde. Das heisst aber nicht, dass dieser Anspruch auch akzeptiert wurde. Er rief schon damals auch Widerspruch hervor.
Als Jesus fragte, warum einige Leute ihn steinigen wollten, antworteten sie: »Wir steinigen dich nicht wegen eines guten Werkes, sondern wegen Gotteslästerung; denn du bist nur ein Mensch und machst dich selbst zu Gott«[10].
Die Wahrheit ist eine Person
Der Mensch Jesus erklärte, er sei Gott. Diese Tatsache unterscheidet ihn von anderen religiösen Gestalten. In den grossen Religionen der Welt ist die Lehre das Wichtigste. Im Christentum ist es der Lehrer selber.
Der Islam ist eine Offenbarung Allahs mit Mohammed als Prophet, der Buddhismus betont die Prinzipien des Buddha und nicht den Buddha selbst, und der Hinduismus kennt nicht einmal einen historischen Gründer. Das Zentrum des Christentums jedoch ist die Person Jesu Christi. Jesus erhob nicht nur den Anspruch, die Menschen die Wahrheit zu lehren, er behauptete, er sei die Wahrheit in Person[11].
Wenn heute Nacht der Präsident der Vereinigten Staaten auf allen Bildschirmen erschiene und verkündete: »Ich bin Gott der Allmächtige. Ich habe die Macht, Sünden zu vergeben. Ich habe die Vollmacht, von den Toten aufzuerstehen.« Er würde schnell und unauffällig ausgeblendet, weggeführt und durch den Vizepräsidenten ersetzt. Denn wer so eine Behauptung wagen sollte, müsste entweder ein verrückter Lügner sein - oder tatsächlich Gott. Genauso war es mit Jesus, und genauso ist es noch heute mit Jesus.
Er hat den Beweis angetreten
Wenn er tatsächlich Gott ist, wie er sagt, dann hat das für uns Konsequenzen, und wenn er es nicht ist, dann sollten wir ihn abschreiben. Aber wie kommen wir zu einer schlüssigen Antwort? Nehmen wir Jesus bei seinem eigenen Wort. Der wichtigste Hinweis auf seine Gottheit würde seine Auferstehung von den Toten sein, hatte er verkündigt. Denn als die religiösen Führer von ihm ein Zeichen verlangten, antwortete Jesus: »Wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird auch der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Innern der Erde sein«[12] - und danach nicht mehr.
An einer anderen Stelle entgegnete er in einem ähnlichen Zusammenhang: »Reisst diesen Tempel nieder, und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten ... Er meinte aber den Tempel seines Leibes«[13]. Kurze Zeit darauf wurde Jesus gekreuzigt, und nach drei Tagen ist er wieder auferstanden. Das bezeugen Matthäus, Markus und Johannes, die Jesus persönlich kannten und ihre Berichte aus eigenem Erleben niederschrieben, und der wissenschaftlich gebildete Arzt Lukas, Verfasser des nach ihm benannten Evangeliums, kommt über persönliche Nachforschungen und Interviews zum gleichen Ergebnis.[14] Auch der frühere Christenverfolger Paulus erinnert später seine zweifelnde Gemeinde in Korinth an viele Hundert Augenzeugen, die ihn alle gesehen hatten.[15]
Tatsache Auferstehung
Die Macht, von den Toten aufzuerstehen, unterscheidet Jesus damit nicht nur von allen anderen Religionsführern, sondern auch von allen anderen Menschen. Wer das Christentum widerlegen will, muss die Geschichte der Auferstehung wegerklären. Aber das ist seit 2000 Jahren noch niemandem gelungen. Jesus hatte also Wort gehalten und durch seine Rückkehr von den Toten den Beweis erbracht, dass er tatsächlich der Sohn Gottes war und ist. 16
1 Johannes 14,9
2 Johannes 8,58
3 Johannes 5,17-18
4 Markus 2,5-7
5 Jesaja. 43,25
6 Johannes 1,3
7 Kolosser 1,17
8 1. Timotheus 3,16
9 Johannes 1,1
10 Johannes 10,33
11 Johannes 14,6
12 Matthäus 12,40
13 Johannes 2,19-21
14 vergleiche Lukas 1,1-415 1. Kor 15,6
16 Römer 1,4
Warum nannte sich Jesus auch Menschensohn?
Die Berichte über Jesu Leben lassen keinen Zweifel - er war nicht nur Gottes Sohn sondern gleichzeitig auch Sohn der Maria und völliger Mensch: Er war müde (Johannes 4,6), hungrig (Matthäus 4,2) und hatte normale menschliche Bedürfnisse und Emotionen. Häufig bezeichnete Jesus sich selbst als „Menschensohn". Damit betonte er beides: Sein Menschsein und seine Göttlichkeit, denn der Begriff „Menschensohn" stand im Judentum der damaligen Zeit für den göttlichen Erlöser, der Israel retten sollte. Schon der Prophet Daniel (7,13-14) hatte den Begriff „Menschensohn" für den verheissenen Messias - den erwarteten Erlöser Israels - gebraucht.
Einmal fragte Jesus seine Jünger, was die Leute über ihn dachten: „Wer sagen die Leute, ist der Menschensohn?" Petrus antwortete ihm: „Du bist Christus (hebräisch: „Messias", das bedeutet „der Gesalbte"), der versprochene Retter, der Sohn des lebendigen Gottes." Jesus bekräftigte, dass Petrus diese Erkenntnis von Gott selbst erhalten habe (Markus 16,15-17).
Jesus wurde nicht durch politische Gewalt zum Retter, sondern dadurch dass er den Menschen konsequent vorlebte und sagte, was Gott von Ihnen erwartete. Alle Verfolgung und Boshaftigkeit, die ihm dafür entgegenschlug, alles Leid, das ihn traf, hielt ihn nicht von seiner göttlichen Rettungsaktion ab. Selbst den Tod am Kreuz ertrug er - aus Liebe zu Gott und den Menschen. Durch seinen Sieg über den Tod, durch seine Auferstehung, wandelte er den Fluch den die Menschen ihm zugedacht hatten, in Segen für die Menschheit um.
Wer ist dieser Mensch?
Sein Name ist nahezu allen Menschen ein Begriff. Schon das Datum auf unserer Morgenzeitung zeigt, dass Jesus in alle Lebensbereiche eingedrungen ist. Wer war er und wieso erlangte er so einen Einfluss?
Vor fast 2000 Jahren kam Jesus in einem kleinen jüdischen Dorf zur Welt. Er gehörte zu einer kleinen Familie, einer Minderheitsgruppe, und lebte in einem der kleinsten Länder der Welt. Man nimmt an, dass er dreiunddreissig Jahre alt wurde, wobei sich sein öffentliches Wirken auf die letzten drei Jahre seines Lebens beschränkte.
Der bekannte Historiker H. G. Wells wurde gefragt, welche Person die Geschichte wohl am meisten geprägt habe. Er antwortete darauf, wenn man die Grösse eines Menschen nach historischen Gesichtspunkten beurteile, stehe Jesus an erster Stelle.
Und der Historiker Kenneth Scott Latourette urteilte: „Je mehr Zeit vergeht, um so offensichtlicher wird, dass Jesus, gemessen an seinem Einfluss auf die Geschichte, das folgenschwerste Leben führte, das je auf diesem Planeten gelebt wurde. Und jener Einfluss scheint noch zuzunehmen." Ernest Renan, eigentlich als Skeptiker bekannt, machte folgende Beobachtung: „Jesus ist auf religiösem Gebiet die genialste Figur, die je gelebt hat."
„Es sind aber noch viele andere Dinge, die Jesus getan hat; und wenn sie eins nach dem anderen beschrieben würden, so glaube ich, die Welt würde die Bücher nicht fassen, die zu schreiben wären", so urteilt die Bibel über Jesus.
Was ist an Jesus so anders?
Wer ist Jesus Christus? Manche antworten, er sei ein grosser religiöser Führer gewesen. Doch ist er nicht mehr?
Über Jahrhunderte hinweg diskutierte man diese Frage kontrovers : Wer ist Jesus? Doch warum birgt diese Frage so viel Konfliktstoff in sich? Warum verursacht sein Name so viel Aufruhr; mehr als der jedes anderen religiösen Führers? Warum kann man mit vielen Leuten über Gott reden, doch sobald man Jesus erwähnt, brechen sie das Gespräch ab oder ziehen sich zurück?
Was unterscheidet Jesus von anderen religiösen Führern? Warum liegt in den Namen Buddha, Mohammed und Konfuzius weniger Zündstoff? (Bietet sich weniger Angriffsfläche?) Sie alle behaupten nicht, selbst Gott zu sein, wie Jesus es tat. Hier liegt wohl der Hauptunterschied.
Ein enormer Anspruch
Seine Umwelt erkannte bald, dass er erstaunliche Aussagen über sich selbst machte. Sein Anspruch ging weit darüber hinaus, Lehrer oder Prophet zu sein. Jesus beanspruchte, Gott zu sein, und er bezeichnete sich als den einzigen Weg zu einer lebendigen Beziehung mit Gott, als die einzige Möglichkeit zur Sündenvergebung und als einzigen Weg zur Erlösung.
Viele halten das für zu absolut, zu intolerant, um daran glauben zu können. Dennoch ist nicht entscheidend, was wir meinen oder glauben, sondern welchen Anspruch Jesus für sich selbst erhob.
Doch Jesus erhob nicht nur den Anspruch, Gott als seinem Vater gleich zu sein. Er betonte auch, dass er mit ihm eins sei. Während des Tempelweihfestes in Jerusalem wurde Jesus daher von einigen jüdischen Führern darauf angesprochen, ob er der Christus sei. Hier schloss Jesus seine Entgegnung mit den Worten ab: „Ich und der Vater sind eins. Da hoben die Juden Steine auf, um ihn zu steinigen. Jesus sprach zu ihnen: Viele gute Werke habe ich euch erzeigt vom Vater. Um welches dieser Werke willen wollt ihr mich steinigen?" Die Juden antworteten ihm und sprachen: „Um eines guten Werkes willen steinigen wir dich nicht, sondern um der Gotteslästerung willen, denn du bist ein Mensch und machst dich selbst zu Gott"
Jesus machte wiederholt deutlich, dass er in Wesen und Natur mit Gott eins sei. „Wer mich sieht, der sieht den, der mich gesandt hat." Auch diese Schriftstelle gibt zu verstehen, dass Jesus sich nicht nur als Mensch, sondern als Gott gleich betrachtete.
Nichts ist beweiskräftiger als die Haltung feindlich gesinnter Zeugen, und die Tatsache, dass Jesus für sich beanspruchte Gott zu sein, wird unwiderleglich durch die Reaktion seiner Feinde bewiesen. Es ist deshalb unbestreitbar, dass die Juden seinen Anspruch, Gott zu sein, begriffen hatten. Es blieben ihnen demzufolge nur zwei Alternativen: Seine Äusserungen waren entweder gotteslästerlich, oder er war wirklich Gott.