Wie kann einer für die Sünden aller Menschen sterben?
Als Erfinder des Lebens hat Gott auch die Rahmenbedingungen für das Leben seiner Geschöpfe festgelegt. Was richtig oder falsch ist, definiert er nicht willkürlich - Gottes Regeln sind gut für den Menschen. Gott, als der vollkommen Gerechte und die Liebe in Person, ist selbst der Massstab.
Die Sünde („Zielverfehlung") nahm ihren Anfang, als der Mensch sich weigerte, Gott und dessen Lebensregeln zu akzeptieren (Römer 1,21). So zerstörte der Mensch sich selbst und andere. Weil Gott für das Leben steht, bedeutete diese Lossagung von Gott für die Menschheit den „geistlichen" Tod. Und auch körperlich muss jeder Mensch seither eines Tages sterben. Der Mensch fiel durch eigene Schuld aus der Beziehung zu Gott - und verlor dadurch den Zugang zum Leben. Die Menschheit ist seitdem Leid und Tod ausgeliefert, und jeder von uns wird immer wieder neu vor Gott schuldig (Römer 3,23).
Jesus machte klar, dass es deshalb nicht nur um ein „Kurieren am Symptom" gehen kann, sondern dass eine völlige „innere Neugeburt" eines Menschen nötig ist. Wir müssen nicht einfach nur „moralisch aufgebessert" werden, sondern völlig mit Gott versöhnt sein. Aus Gottes Sicht reichen dazu weder einige „gute Taten" (kein Mensch erreicht Gottes Vollkommenheit) noch irgendein bestimmtes Mass an „Erleuchtung".
Jesus sagte: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater (Gott), als nur durch mich" (Johannes 14,6). Damit übernimmt er selbst die Wiederherstellung der Beziehung zu Gott. In ihm, als dem Sohn Gottes, ist Gott selbst gekommen, „um sein Leben als Lösegeld für viele zu geben" (Markus 10,45). Indem Jesus sein Leben zu jeder Zeit in völliger Harmonie mit dem Willen seines himmlischen Vaters lebte und allen Widerständen zum Trotz bis in den Tod daran festhielt, erfüllte er die Anforderungen des Schöpfers. Seither kann jeder Mensch, der auf diese Tat Jesu vertraut (= an Jesus glaubt), wieder in die Beziehung zu Gott eintreten.
Warum dieser brutale Tod am Kreuz?
Es ist erschaudernd und zum aus der Haut fahren. Im Film "The Passion of Christ" von Mel Gibson wurde die Hinrichtung von Jesus in penetranter Weise dargestellt. Etwas weniger schockierende Gewalt hätte es wohl auch getan und die Aussage des Filmes nicht vermindert. Das sonst vor allem als Schmuckstück vertraute Kreuz erhält für die Zuschauer dieser Orgie des Leidens eine neue Bedeutung. Dabei stellt sich die Frage: Wozu geschah dieser brutale Tod am Kreuz?
Ist der christliche Glaube nicht zu brutal? Vieles dreht sich um ein Hinrichtungsinstrument - das Kreuz. Warum musste Jesus daran sterben? Warum hat Gott das zugelassen? Konnte er keinen sanfteren Weg beschreiten, um mit uns Menschen ins Reine zu kommen? Warum war der Weg der Versöhnung mit Tod, Schmerzen und Trauer gepflastert? Wäre es nicht auch einfacher gegangen, etwas netter, ästhetischer und stilvoller? Hätte Gott nicht einfach ein Auge zudrücken können bei unseren allzu menschlichen Unzulänglichkeiten?
Über diese Frage kann man trefflich spekulieren. Leider haben alle "Was-wäre-wenn?"-Szenarien den Schönheitsfehler, dass wir nicht wissen, ob Gott einen "Plan B" hatte und warum dieser nicht den Vorzug erhielt. Also denken wir einmal anders herum. Hätte Gott nicht so gehandelt, fehlte uns heute möglicherweise:
- eine realistische Vorstellung davon, wie schwerwiegend menschliche Schuld ist. Wir hätten keinen Massstab vor Augen wie grausam und entstellend sie ihrem Wesen nach auch unter so zivilisierten Menschen ist, wie sie unsere Beziehungen zerstört und Wunden schlägt.
- eine realistische Vorstellung davon, wie weit Gott in seiner Liebe zu uns gehen würde: Dass er sich nämlich mit seinem Sohn Jesus sein Liebstes buchstäblich vom Herz reissen lies für uns; dass er es wagte, sich derart verwundbar zu machen und Schmerzen zuzulassen, die er wohl weit tiefer empfindet als wir in unseren Abstumpfungen.
- eine realistische Vorstellung der Macht Gottes, die auch noch in extremstes seelisches und körperliches Leid noch hineinreicht. Die auch uns die Hoffnung gibt, solche Extreme noch mit Würde bestehen zu können, weil ein für allemal klar geworden ist, dass ein liebender und mächtiger Gott in allem, was für unser Leben wesentlich ist, das letzte Wort haben wird.
Wenn ich mir diese Tatsachen vor Augen halte, kann ich nur froh sein, dass Gott keinen oberflächlicheren oder "netteren" Weg gewählt hat, um mit der selbstverschuldeten Zerrissenheit unserer menschlichen Existenz fertig zu werden - mit dem tief greifenden und erschreckenden Problem der Sünde. So fühle ich mich auch in extremen Situationen von Gott ernst genommen und sicher.
War das Grab von Jesus nicht leer?
Eingang der Grabeshöhle von Jesus.Beinahe so regelmässig, wie Christen Ostern feiern, erscheinen werbeträchtige Romane oder Filme, welche die kirchliche Überlieferung in Frage stellen.
Waren es in den vergangenen Jahren Bestseller wie Dan Browns «Sakrileg» oder Michael Baigents «Die Gottesmacher», so rühren dieses Jahr die Filmemacher James Cameron («Titanic») und Simcha Jacobovici an die Wurzel des christlichen Glaubens. Ihnen zufolge überlebte Jesus von Nazareth die Kreuzigung und musste daher auch nicht auferstehen.
Der Fund eines antiken Grabes in Jerusalem widerlegt angeblich die Osterberichte der biblischen Evangelien. So stellt es der Film «Das Jesus-Grab» dar, der in Deutschland an Karfreitag von ProSieben ausgestrahlt wird. 1980 wurde in Jerusalem eine Grabkammer entdeckt, in der zehn Ossuare (Knochenkästen) standen. Sechs davon sind mit Namen beschriftet, die die Filmemacher in Aufregung versetzten.
Die Inschriften lauten: Maria; Jose (Josef); Jeschua (Jesus), Sohn des Josef; Mariamene (Maria), auch genannt Mara; Matia (Matthäus) und Jehuda, Sohn des Jeschua. Dies müsse das Familiengrab von Jesus sein, der offenbar mit Maria von Magdala verheiratet gewesen sei und mit ihr einen Sohn gehabt habe, reimen sich die Filmemacher zusammen.
Wissenschaftler sagen: Spekulation
Die Namen gehörten zu den häufigsten der damaligen Zeit, erklärt der Biblische Archäologe Wolfgang Zwickel aus Mainz. Deren gemeinsames Auftreten sei, anders als im Film behauptet, überhaupt nicht ungewöhnlich. Ausserdem habe die Familie Jesu den Evangelien zufolge in Galiläa gelebt. Schliesslich weise eine sehr alte und zuverlässige Überlieferung darauf hin, dass die Jerusalemer Grabeskirche an dem Ort des Grabes Jesu stehe.
Einige Theologen tun sich schwer damit
Doch wo Bestseller-Autoren der Vorstellungskraft freien Lauf lassen, sehnen sich auch Theologen nach mehr Eindeutigkeit. Seit der Aufklärung haben Wissenschaftler über die historische Echtheit der Berichte vom leeren Grab gestritten und darüber, wie die Auferstehung Jesu zu verstehen sei. Liberale Theologen haben Trost in der Erkenntnis gefunden, dass es unerheblich sei, wie die Auferstehung stattgefunden hat. Grundlegend für den Glauben sei allein, dass Jesus auferstanden ist.
Für Paulus eine nüchterne Tatsache
Der Apostel Paulus belässt es in seinem Brief an die Korinther bei der Feststellung, dass Jesus «begraben worden ist und dass Jesus auferstanden ist am dritten Tage» Danach benennt er die Augenzeugen. Ausserdem würde sich auch der Apostel an den heutigen Knochenfunden nicht stören. Paulus unterscheidet zwischen dem «natürlichen Leib» und einem «geistlichen Leib», der zur Auferstehung gerufen wird.
Das leere Grab der Ostergeschichten sei ein «missdeutbares Zeichen», schreibt der Heidelberger Theologe Wilfried Härle in der Zeitschrift «zeitzeichen». Die Erzählungen könnten dazu verleiten, die Auferstehung Jesu mit der Wiederbelebung eines Verstorbenen zu verwechseln. Der Osterglaube entsteht Härle zufolge im Neuen Testament nicht durch das Auffinden des leeren Grabes, sondern durch die Verkündigung der Engel oder Jünglinge im Grab und vor allem durch die Erscheinungen des Auferstandenen.
Ohne Auferstehung verliert das Christentum seinen Sinn
Keinen Zweifel lässt Paulus an der Bedeutung der Osterbotschaft: «Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren Sünden».
Die Wahrheit der Bibel werde nicht von der Forschung bewiesen, heisst es in kirchlichen Stellungnahmen. Die Wahrheit zeige sich im alltäglichen Gebrauch.
Gibt es Beweise für die Auferstehung?
Eine ganze Reihe von Fakten spricht dafür, dass die Auferstehung von Jesus wirklich stattgefunden hat. Unter anderem folgende Punkte:
1. Das leere Grab: Das Grab war von den Römern versiegelt worden, doch drei Tage nach der Kreuzigung war es leer. Doch die Feinde Jesu - der jüdische Hohe Rat und die Römer - konnten den Leichnam Jesu nicht vorweisen. Die gern vertretene These des „Leichenraubs" durch die Jünger ist wenig überzeugend, denn das Grab wurde von Soldaten bewacht. Auch die Theorie, die Wachen seien eingeschlafen, ist absurd, wenn man das damalige römische Militärwesen kennt: So weist der Historiker George Currie darauf hin, dass auf das Verlassen des Postens oder Einschlafen während der Wache die Todesstrafe stand.
2. Die Augenzeugen: Paulus verweist zum Beispiel auf mehr als 500 Personen, denen der auferstandene Christus leibhaftig erschienen ist (1. Kor 15). Stichhaltig zeigt sich dieses Argument vor allem deshalb, weil die meisten dieser Augenzeugen zu diesem Zeitpunkt (ca. 55 n. Chr.) noch lebten und über die Ereignisse hätten befragt werden können.
3. Die „Absurdität" der Botschaft: Die Jünger selbst glaubten zunächst nicht an die Auferstehung, denn sie teilten das Denken des damaligen Judentums: Die Auferstehungshoffnung der Pharisäer beschränkte sich auf „die Auferstehung der Gerechten" am jüngsten Tag, nicht aber auf eine leibliche Auferstehung im Hier und Jetzt; die Sadduzäer leugneten die Möglichkeit der Aufstehung sogar völlig. Die Auferstehungslehre zu vertreten war also nicht nur „lächerlich", sondern auch gefährlich - es sei denn, sie war tatsächlich passiert.
4. Die Entstehung der Kirche: Nach Jesu Tod waren die Jünger eine völlig mutlose und verängstigte Gruppe von Männern und Frauen, denn als Anhänger des „Staatsfeindes" Jesus mussten sie selbst mit dem Tod rechnen. Erst als der Auferstandene ihnen begegnete, wurden aus verängstigten Menschen mutige Zeugen. Sie verbreiteten die Botschaft vom Sterben und Auferstehen Christi, erst in Jerusalem und später in der ganzen Welt. Viele von ihnen bezahlten dafür mit ihrem Leben - wer würde so etwas für eine selbst erfundene Geschichte tun?
Was geschah nach dem Tod von Jesus?
Der Offizier und die römischen Legionäre, die Jesus kreuzigten, hatten schon viel Blut gesehen. Aber diese Hinrichtung war anders. Mitten am Tag verdüsterte sich der Himmel, und im Moment, als Jesus starb, bebte die Erde. Dies fuhr den Römern gewaltig ein: „Wahrhaftig, dieser war Gottes Sohn!" rief der Hauptmann aus (Matthäus 27,54).
Verehrer von Jesus nahmen den Leichnam ab und legten ihn in eine Grabkammer vor der Stadt, vor die eine schwere Felsplatte gerollt wurde. Auf Betreiben der Hohenpriester liess der römische Statthalter Pilatus den Zugang versiegeln und rund um die Uhr bewachen.
Doch am übernächsten Tag war alles anders: Frauen, die am Ostersonntag in der Morgendämmerung zum Grab kamen, um den Leichnam einzubalsamieren, fanden die Felsplatte weggerollt vor - und die Kammer war leer. Ein Erdbeben hatte die Wache gelähmt. Männer in glänzenden Kleidern sagten den verstörten Frauen, dass sie Jesus nicht unter den Toten suchen sollten; denn er lebe. Kurz darauf erschien Jesus selbst den Frauen. Am selben Tag zeigte er sich mehrfach den Aposteln, die sich aus Angst vor seinen Feinden versteckt hielten.
Jesus war auferstanden; er war durch die Kraft Gottes aus dem Tod auferweckt worden und mit seinem Körper in ein unzerstörbares, ewiges Leben eingetreten. Der Apostel Paulus, der wie wenige Christen der ersten Generation über Jesus nachgedacht hat, fasst die Bedeutung des Ostertags in die Worte: „Jesus Christus wurde eingesetzt als Sohn Gottes in Kraft durch die Auferstehung von den Toten" (Brief an die Christen in Rom, 1,4).
Mit der Auferstehung beglaubigte Gott den Tod von Jesus als Opfertod des Gerechten: Jesus war nicht wegen seiner Schuld gestorben (was laut der Bibel den Menschen widerfährt), sondern für die Schuld anderer. Darum „war es auch gar nicht möglich, dass der Tod ihn festhalten konnte", wie der Apostel Petrus einige Wochen später erklärte (Apostelgeschichte 2,24).
Der Tod und die Auferstehung von Jesus gehören zusammen. Mit dem Tod wurde die Vergebung von Schuld erwirkt, durch die Auferstehung drang Jesus als Sohn Gottes in die Sphäre des ewigen Lebens vor. Er wurde der Fürst in dieser Sphäre, die mit einer neuen Schöpfung verglichen werden kann, und somit der Herrscher über Tote und Lebende, über die gesamte sichtbare und die unsichtbare Welt.
40 Tage nach Ostern wurde er durch die Himmelfahrt als Herrscher in Gottes Gegenwart eingesetzt. Allen, die an ihn glauben, verspricht Jesus Christus ewiges Leben - Leben in der Qualität der Auferstehung.
Seinem Jünger Johannes erschien der Auferstandene Jahrzehnte später und sagte, was niemand sonst von sich sagen kann: „Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, doch nun lebe ich in alle Ewigkeit. Ich habe die Schlüssel des Todes und der Totenwelt" (Offenbarung 1,17.18).