Msihoye

Die Aramäer

 

Das Volk der Aramäer ist heute vielen Menschen unbekannt. Im Alten Testament (AT) findet man viel über die Aramäer. Die Aramäer sind ein semitisch biblisches Volk. Aramäer bedeutet; Volk des Lichts und der Offenbarung.

Mit dem Begriff «Syrer» bezeichneten uns die Griechen fälschlicherweise, seitdem sie Asien näher kennen lernten, die Nation, welche selber «Aramäer» sind. Die christlichen Syrer bzw. Suryoye sind ethnisch gesehen Aramäer semitischen Volksstammes, die in Aram-Naharaim - Aram der vier Flüsse (Mesopotamien) zu Hause sind.

Der in der Literatur verwendete Begriff «Syrer» (griechisch: Syroi bzw. Syrioi) hat mit der jetzigen politischen Bezeichnung «Syrien» als arabischen Staat nicht unbedingt zu tun. Die Begriffe «Syrer» und «Aramäer» (griechisch: Aramaioi) sind hier identisch und bezeichnen ein und dasselbe Volk, sind also ethnisch und nicht politisch-geographisch zu verstehen. Der Name «Aram» bzw. « Aramäer» ist also eine wahre Nationalitätsbezeichnung und daher nicht an geographische oder politische Grenzen gebunden. Mit anderen Worten: Der ursprünglich politisch-geographische Begriff Syrien (=Aram) oder Syrer wird im Laufe der Zeit zu einem ethnologischen, der sich mit der Bezeichnung Aramäer deckt. Die Syrer sind nach aramäischen Gelehrten, den griechischen Historikern und Geographen, sowie den europäischen Orientalisten bzw. Syrologen, Suryoye aramäischer Abstammung und verstehen sich so bis zum heutigen Tag.

Die Verwendung des Ausdruckes «Syrer» auf die Aramäer geht auf die alten Griechen zurück. Die Griechen bezeichneten das Gebiet, wo die Aramäer lebten mit «Syria» und seine Bewohner, die mehrheitlich Aramäer waren, als «Syrer» (griechisch: «Syroi» oder «Syrioi» somit auch im Aramäischen: Suroye und Suryoye; Keilinschriftlich: Sûri. (Siehe hierzu: Schiffer, Sina, Die Aramäer. ND Gütersloh 1992, S.160f)

Mit Alexander dem Großen (336-323 v. Chr.) fand diese Bezeichnung für die ethnischen Aramäer große Verbreitung. Der Begriff «Syrer» [Suryoye] hat sich aber erst mit der Christianisierung der aramäischen Gebiete endgültig durchgesetzt. Die zum Christentum bekehrten Aramäer wollten sich von den heidnisch gebliebenen Aramäern unterscheiden und so übernahmen sie die Bezeichnung «Syrer» [Suryoye]. Damit wurde der Ausdruck «Aramäer» zum Synonym für «Heiden» und «Syrer» zum Synonym für «Christen ».

(Siehe hierzu: A. Šanda, Die Aramäer. Berlin 1900; Schiffer, S, Die Aramäer, ND Gütersloh 1992; M. Noth, Die Aramäer, in: ZDPV 68 (1949/1951), 19-36; A. Jepsen, Aramäer, in: RGG (3. Aufl.) I, 1957, 531-532; M. Dietrich, Die Aramäer Südbabyloniens in der Sargonidenzeit (700-648), Neukirchen 1970; Maximilian Streck, Über die älteste Geschichte der Aramäer, in: Klio 6 (1906), 185-225; Unger Eckhard, Aramäer in assyrischer Darstellung, RLA I 1928.)

 


 

Die ersten Spuren der Aramäer in der Geschichte


Die Aramäer bzw. deren Vorfahren werden erstmals in ägyptischen (Amarnabriefe) und ugaritischen und wahrscheinlich auch in mesopotamischen Texten des 14. und 13. Jahrhundert v. Chr. greifbar. Die frühesten eindeutigen Erwähnungen der Aramäer sind dann in assyrischen Texten vom Ende des 12. Jahrhundert v. Chr. zu finden.

Der assyrische König Tiglatpileser I. (1117-1077) berichtet ca. 1200 v. Chr. von Kriegszügen gegen die Achlamu-Aramäer: «28-mal überschritt ich den Euphrat hinter den aramäischen Achlamäern her, zweimal in einem Jahre. Von Thadmor in Amurru, Anat in Suchu bis zu Rapiqu in Karduniasch bewirkte ich ihre Niederlage. Ihre Beute und ihre Habe brachte ich nach meiner Stadt Assur.»

Quelle: Borger, R., Historische Texte in akkadischer Sprache aus Babylonien und Assyrien, TUAT I, 354-410, 357; ANET 275a; Lipinski, E., Aramäer, in: Neues Bibel-Lexikon Bd. I, A-G, Hrsg. von Manfred Görg und Bernhard Lang, Zürick 1991, 146f.)

Dieselbe Stelle bei Sina Schiffer: «Mit dem Beistande Ashurs, meines Herrn, nahm ich Wagen und meine Krieger, die Wüste erreichte ich, zog gegen die aramäischen Achlame [wörtlich: Achlamia mat Armaaia], die Feindschaft Ashurs, meines Herrn. Vom Lande Suchi an bis zur Stadt Karkamisch des Landes Chatte plünderte ich an einem Tage. Ihre Gefallenen hatte ich getötet, ihre Beute, ihre Habe und ihr Besitztum führ ich ohne Zahl weg. Hinter dem Reste ihre Leute, der vor den furchtbaren Waffen Aschurs, meines Herrn, geflohen war und den Euphrat überschritten hatte, setzte ich auf Schiffen aus tachschi-Häuten über den Euphrat. Sechs ihrer Städte am Fuße des Beschri-Gebirges eroberte, verbrannte, verwüstete (und) zerstörte ich. Ihre Beute, Habe und ihr Besitztum brachte ich nach meiner Stadt Ashur.»

Quelle: (Schiffer, S., Die Aramäer. Historisch-Geographische Untersuchungen, NG Gütersloh 1992, 7).

Der assyrische König berichtet von der Verwüstung und Zerstörung von aramäischen Ortschaften am Dschebel Beschri am rechten Euphratufer. Hier hatten die Aramäer wichtige Stützpunkte bzw. Rückzugsgebiete in den Bergen.

Tiglatpilesers Sohn Assur-bel-kala (1074-1057) setzte den Feldzug gegen diesen aramäischen Stamm fort. Er bezeichnet seine Gegner nun einfach als Aramäer und berichtet von den «Feldzügen nach dem Lande Arumu».

Damit waren die Aramäer in einer kräftigen Expansion, so dass sie um 1050 Babylon plünderten, und es ihnen gelang zur Zeit des assyrischen Königs Assur-rabi II (1013-973) gelang, einige wichtige assyrische Festungen wie z.B. Pitru am Euphrat wie die Stadt Mutkinu. Im Laufe dieser Zeit setzten sich die Aramäer am Balich und im Chaburgebiet fest und gründeten neben Städte auch Stadtstaaten mit eigenen Königen. Diese Stadtstaaten werden allerdings erst ab ca. 1000 v. Chr. teils aus eigenen, teils aus anderen Quellen aber auch durch Ausgrabungen greifbar.

Im Lande der Aramäer (mât Arime), in der Landschaft bzw. Stadtstaat der Aramäer Bît-Zamâni (heute Diyarbakir) am oberen Tigris operiert Aschurnasirpal (885-860 n. Chr.) im Jahre 880. Er nennt dieselbe wiederholt mât Arumu und die von dort nach Assyrien (Assur) fortgeschleppten Gefangenen Ach-la-me-e (mât) Ar-ma-a-ia. Wörtlich heißt es in den Keilinschriften: «Von den Leuten der Ach-la-me-e (mât) Ar-ma-a-ia des Ammeba'al mâr Zamani riß ich fort, brachte sie nach Assyrien». Das Gebiet um Achlamu-Aramäer nennt später auch Salmanassar II. (860-825) (mât) Arumu

(vgl. Schiffer, S., Die Aramäer, ND Gütersloh 1992, 12f).

Auch Tiglat-pileser III. und Aschurnasirpal sprechen von Feldzügen gegen die Achlamu Aramäer. Der Name Achlamu oder Achlame ist bei den Assyrern ein Ausdruck der Verachtung, d.h. «Barbaren». Darum wurden die von Aschurnasirpal aus Bît-Zamâni als Gefangene fortgeschleppten Aram Achlame genannt.

Die Aramäer hießen bei den Assyrern ursprünglich wohl «Achlame», später allmählich entwickelt sich dieser zu Aramu-Arame (Aramäer). Bis heute existieren in den Dörfern um Mardin und Diyarbakir im Südosten der Türkei dieser Stamm der Aramäer, der jedoch heute unter dem Namen Mhalmoye, Mahlamoye oder Mahelmoye bekannt ist.

Einige Quellen deuten auf eine Herkunft der Aramäer aus dem Gebiet um den mittleren Euphrat. Ob sie ursprünglich dort lebten, oder ob sie von südlichen Randzonen, dem «fruchtbaren Halbmond» kamen, bleibt umstritten. Jedenfalls waren sie nicht mehr zu stoppen, sodass sie sowohl entlang des oberen Euphrat als auch Euphrathabwerts wie auch nach Westen bis zum Libanon und nach Damaskus. Ein assyrischer Offizier berichtet in einem Brief von der Verfolgung der aramäischen Hiranu und Hasmu Stämmen am mittleren Euphrat.

(vgl. Lipinski, E., Aramäer und Israel, in: TRE III, 1978, 590-599, 591).

Nach Lipinski ist die ursprüngliche Heimat der Aramäer das obere Zweistromland und mittlere Euphrat: «Demnach muss das obere Haburgebiet und Tur-Abdin als deren Urheimat gelten.»

(Lipinski, E., Aramäer und Israel a.a.O., 591). Diese Gegend scheint der babylonischer König Simbar-Schihu (1024-1007) als Schlupfwinkel aramäische Banden zu bezeichnen.

In den Texten des Alten Testaments finden wir umfangreiches Material über die Aramäer. In der Völkertafel von Genesis 10:1-32 hier Vers 22 (und 1 Chr. 1:17) lesen wir: «Die Söhne Sems sind Elam, Assur, Arpachshad, Lud und Aram. Die Söhne Arams sind: Uz, Hul, Geter und Mash». Demnach stammen die Aramäer von Aram, geographisch und chronologisch gesehen ist der Aram der westlichste und jüngste Bereich. Leider können die Wissenschaftler nicht sagen, wo die einzelnen Söhne Arams denn gelebt haben. Eine Ausnahme bildet der Name Mash. Hier können sie mit ziemlich größerer Sicherheit sagen, dass die Söhne von Mash, der jüngste Sohn Arams, dem Gebiet, wo sie lebten, ihren Namen gaben. Die alten Griechen sagen daher: «Mons Masius» (Strabo und Ptolomäus). Dieses Gebiet lag nördlich von Nisibis (Nasibin), das heute Tur-Abdin heißt. Die Keilinschriften sprechen von Shad Kashijara, Shad Kashjaru, Shad Kashjari oder Shad Kashari, d.h. «Kahsijari-Gebirge».

(Siehe hierzu: Delitzsch, Friedrich, Wo lag Paradies? Eine Biblisch-Assyriologische Studie. Leipzig 1881).

Damit ist eindeutig bewiesen, dass die heutigen Bewohner von Tur-Abdin, die Aramäer, eben von diesem Stamm der Aramäer (Mash-Aramäer) abstammen.

Die Keilschriftliteratur kennt die Aramäer im eigentlichen Mesopotamien, dem Aram-Naharaim unter folgenden Namen:

ARUMU:

mât A-ru-mu; amêlu A-ru-mu (singulare Form)

ARIMU:

mât A-ri-mê (Land zwischen Tigris und Euphrat am Mons Masius, heute Tur-Abdin); amêlu A-ri-mu; amêlu A-ri-mi (i steht für Plural)

ARAMU:

amêlu A-ra-mu, amêlu A-ra-mê (ê steht ebenso für Plural), mât A-ra-mu (auch singulare Form)

Nach Schiffer ist die assyrische Urform des Namens ARUMU. «Vorhergehendes r und der folgende Labial m entwickelten aus kurzem u kurzes a; so entstand die Form «Aramu». Von dieser wurde dann auch kontrahiert das Nomen gentilicium ar-ma-a-ia, ar-ma-a-a gebildet. Man kann es in den Inschriften seit dem 7. jahrhundert ganz deutlich erkennen, wie die Entwicklungsform Aramu bzw. Aram die Form Arumu allmählich verdrängte und die dem Assyrer geläufigere wurde.»

(Schiffer, S. Die Aramäer, 14f).

Das nom. gent. all dieser Formen lautet: Armâ´a: mât Ar-ma-a-ya [motho d-aramaya oder motho d-oromoye]

Als Person ist Aramu in der 3. Dynastie von Ur (ca. 2000 v. Chr.; Anton Jirku, Geschichte Palästina-Syriens im orientalischen Altertum, Aalen 1963, 97) und in Mari (18. Jh. v. Chr.) bezeugt (Biblica 30, 109ff.). In Ugarit (14.-13. Jh. v. Chr.) kommen ebenso Personennamen Armeja und Ben-Armeja sowie ein Stück Land «Aramäerfelder» (Biblica 30, 109ff; RA 37, 106, III, 22). Mit dem Auftreten der Achlamu-Aramäer im 13., 14. und als Personenname im 18. Jh. v. Chr. als Menschen des aramäischen Typs und bezeugen damit gleichfalls die Kontinuität des Aramäertums über einen längeren Zeitraum hinweg.

Die aramäischen Vorfahren der Israeliten (Juden)

Die hebräischen Patriarchen 19.-12. Jahrhundert. v. Chr.), d.h. einige Vorfahren der Hebräer (Israeliten), stammen aus Aram-Naharaim (oder Paddan-Aram = Mesopotamien) bzw. von den hier ansässigen Aramäern ab. Die hebräischen Patriarchen ließen sich nach dem Auszug aus Ur in Chaldäa zuerst in Harran (Genesis 11:28-32), in Nordost Mesopotamiens, nieder. Die Frauen Isaaks (Rebekka; sie war eine Nichte Abrahams aus der Stadt Nahor bei Harran) und Jakobs (Lea und Rahel, beide waren Töchter des Aramäer Laban: sie gebar sechs Söhne, nämlich: Ruben/Rubil, Simeon, Levi, Juda, Issachar und Sebulon: Diese sechs Stämme bildeten innerhalb Israels eine Sondergruppe; Rahel: sie gebar ihm zwei Söhne, nämlich: Josef und Benjamin: Diese bildeten ebenso zwei weitere Stämme Israels entstammen dem aramäischen Zweig der Familie (Genesis 24:28 ff) und rechtfertigten vollauf das spätere israelitischen Bekenntnis der Herkunft von einem «umherirrenden (heimatlosen) Aramäer» (Jakob; Deuteronomium 26:5). In der Tat sind alle zwölf Stämme Israels mit den Aramäern eng verwandt. (vgl. Haider/Hutter/Kreuzer, Religionsgeschichte Syriens, Köln 1996, 102).

 


 

Die Stadtstaaten und deren Könige


Das Gebiet der aramäischen Staaten erstreckt sich entlang des oberen, mittleren und unteren Euphrat und über ganz Syrien (Aram). Das Kern- und Hauptgebiet der Aramäer lag, - wie erwähnt - in Obermesopotamien am Euphratbogen und an Chabur und Balich. Ein längeres und damit ausgeprägteres Eigenleben konnten die Aramäer westlich und südwestlich des Euphrat führen. Die Zone dieser Staaten, seit dem 11. Jahrhundert v. Chr. errichtet wurden, erstreckt sich von Sam´al im Nordwesten über die Region von Aleppo und Hamat bis nach Damaskus im Südwesten. Von einem ganzen Reiche dieser Staaten gibt es Texte und zum Teil auch bildhafte Darstellungen politisch-kultureller und religiöser Gegebenheiten. Auffallend ist, dass diese Stadtstaaten entweder mit Aram oder Bit/Bet (Haus) anfangen. Damit sind wohl die Herrscherdynastien gemeint, die in dem jeweiligen «Staat» zu Herrschaft kamen. Den Aramäern gelang es nicht, ein vereintes aramäisches Großreich zu gründen. Sie halfen jedoch einander desöfteren. Die Aramäer übernahmen vielerorts das Erbe der Hethiter und der Mitanni (Horiter).

Das Alte Testament spricht von vielen aramäischen Stadtstaaten, die in Aram-Naharaim (Aram der vier Ströme oder Aram-Nahrin, keilschriftlich Nahrima), im Gebiet zwischen dem Oberlauf der Ströme Tigris und Euphrat, beheimatet waren. Diese sind folgende:

1 - Aram-Soba:
Zwischen Antilibanon und der syrisch-arabischen Wüste und in der beka zwischen Libanon und Antilibanon, wohl auch bis Nisibis. Der Name Soba verdankt sich dem Kupferreichtum hierzulande, was auf (Alt-)Aramäisch sohoba (rötlich) heißt. Ihr berühmter König ist Hadad-Eser, der Sohn des Rehob, den David schlug (2. Sam. 8:3-5.7f und Parallelen und 2. Sam. 10:6-14). Dieser Haddad-Eser konnte seine Herrschaft bis zum Euphrat ausdehnen. Die Könige: Rehob (11. Jh. v. Chr.), sein Sohn Haddad-Eser (11. Jh. v.Chr.),

2 - Aram Beth-Rehob:
Kleiner Aramäer-Staat am Ostrande des 'adschlun, nördlich des Ammonitergebietes (2. Sam. 10:6).

3 - Aram-Maacha:
Diese aramäische Dynastie wird nach Maacha, Sohn Nachors (Nachor war Bruder Abrahams) benannt. Dieser lag südlich von Damaskus (Josua 13:11; 2. Sam. 10:6.8; 1. Chr. 19:6). Die Stadt ist auch im AT unter Abel-Bet-Maacha bekannt.

4 - Aram Geshur:
Dieser Stadtstaat war mit Aram Maacha benachbart. Bekannt ist dessen König Talmai des Sohnes Ammihuds, des Königs von Geshur, dessen Tochter David heiratete. Sie gebar ihm Absalom (2. Sam. 3:3; 10:6; 20:14-22; 1. Kön. 15:29; Jos. 13:11).

5 - Aram-Damaskus:
Der wohl mächtigste Aramäerstaat in Aram-Naharaim (Jes. 17:1-3; 1. Kön. 11:24 f.; Am. 1:3-5; 5:27). Dieser wurde durch den aramäischen König Hesyon (925-915 v. Chr.), der ein Jahrhundert bestand hatte, gegründet. Die beständig wachsende Macht von Aram-Damaskus wurde bereits seit etwa 900 von Assyrien (Adadnirari III.) bekämpft. Nachdem die Assyrer Babylon erobert hatten und der Zweifrontenkrieg beendet war, richtete sich ihre ganze Wucht gegen Aram-Damaskus. Tiglatpileser III. konnte 738 das aramäische Gebiet Assyrien einverleiben und 734 wurde Damaskus erobert. Den politischen Sieg hatten die Assyrer errungen, den kulturellen errangen die Aramäer. Sie hatten in Assyrien einen so großen kommerziellen Einfluss erlangt, dass die aramäische Sprache dort Handelssprache und später Weltsprache wurde. Das gleiche geschah in Babylonien, wo die Kaldu (Chaldu) das Reich aramäisierten und seit der neubabylonischen Dynastie auch politisch beherrschten.

Weitere Könige

König Reson:
Sohn (bar/ben) des Eljada aus Aram-Soba, 10. Jh. v. Chr. (1. Kön. 11:23-25). Er gilt als Führer der aramäischen Unabhängigkeitskriege, der gegen Salomon kämpfte (1. Kön. 11:23-25).

Tabrimmon:
(ca. 915-900 v. Chr.), Sohn des Königs Hesyon.

Bar-Hadad I.:
(ca. 900-860 v. Chr.), Sohn Tabrimmons. Unter ihm wurde Aram-Damaskus die wichtigste Macht in Syrien und lange Zeit der gefährlichste Gegner des Reiches Israel im Süden und Assyriens im Osten.

Bar-Hadad II.
(Ben-Hadad, 2. Kön. 13:3.24 ff.), ca. 805-773 v. Chr.

König Hasaël:
(842-800/797 v. Chr.; 2. Kön. 8:7-15). Er eroberte das ganze Ostjordanland bis zum Arnon.

Bar-Haddad III.
(9. Jh. v. Chr.), Sohn König Rezin (2. Kön. 15:37), letzter König von Aram Damaskus, 730 v. Chr.

6 - Aram-Tob:

7 - Bit/Bet-Bachiani:
Aramäischer Stadtstaat in Nordsyrien. Hauptstadt Guzana (=Tell Halaf) bei Ras el Ain (Risch'aino) im westlichen Chaburdreieck Am nordwestlichen Rand der aramäischen Welt, am Fuß des Amanus-Gebirges beim heutigen Ort Sendschirli, liegt Sam´al ist ein aramäischer Begriff und heißt «die linke Seite», d. h. «der Norden oder Nordstaat»; heute Zincirli (Sendschirli), nordöstlich des Golfes von Iskenderun. Dieser Stadtstaat ist auch unter J´DJ=Jau´di bekannt, der auf einen Aramäerstammes zurückgeht, der sich hier niederließ. Als Begründer der Dynastie gilt Gabbar oder Kappara, daher auch die Bezeichnung Bit-Gabbar(e).
Die Könige: Gabbar/Kappara (9. Jh. v. Chr.), Panammu(wa) I. (9. Jh. v. Chr.), sein Sohn Barsur, Panammu(wa) II. (743-732 v. Chr.), Barrakib, Sohn von Panammuwa II. (8. Jh. v. Chr.).

8 - Bit/Bet Jakini:
Hauptorten sind Larsa und Eridu.

9 - Bit/Bet Adini:
«Bet-Edens» (Amos 1:5) oder «Haus Edens».

10 - Bit/Bet Ammani:

11 - Bit/Bet Ammukani:
aramäisch-chaldäischer Stadtstaat im Süden Babyloniens.

12 - Bit/Bet Dakurri:
aramäisch-chaldäischer Stadtstaat im Süden Babyloniens.

13 - Bit/Bet Jachiri:

14 - Bit/Bet Sa´alla:


15 - Bit/Bet Shillani:
aramäisch-chaldäischer Stadtstaat im Süden Babyloniens.

16 - Bit/Bet Zamani:
Hauptstadt Amid/Omid (Diyarbakir)

17 - Bit/Bet Agusi (Bayt-Gusch) oder Arpad:
Aramäischer Stadtstaat, ca. 30 km nordöstlich von Aleppo, Mitte des 8. Jh. v. Chr. Die Könige: 'Attarsumk ('Atarsamek), sein
Sohn Mati-el (8. Jh. v. Chr.)

18 - Bit/Bet Chalupe:

19 - Hamat-Laasch:
Alte und bedeutende Stadt am Orontes in Syrien (heute Hama) (2. Kön. 18:34; Jes. 10:9).
Könige: Toi, 11. Jh. v. Chr. (2. Sam. 8:10); sein Sohn Adoniram (11. Jh. v. Chr.), Arkulini/Urhilina (9. Jh. v. Chr.), Zakkur (Zakir) Anfang des 8. Jh. v. Chr.

22 - Aramäischer Stadtstaat am Oberlauf des Chabur in Nordmesopotamien.
Könige: Gabbara (Kappara, 9. Jh. v. Chr.), Karar (9. Jh. v. Chr.)
Katka: König Bar-Ga'ja (8. Jh. v. Chr.)
Chindanu
Lake
Nairi
Suhi
Gambulu
Gurumu (Bit/Beth-Garmai)
Zab
Hagaranu
Kipro
Pukudu
Rua
Ubullu
Marsamai
Nabatu (Nabatäer)?
Schapi-Bel

Aram-Naharaim:
König Kuschan-Rischatajim. Er unterjochte die Israeliten acht Jahre lang (Richter 3:8-10).

Paddan-Aram:

Chaldäer-Reiches:
Die Chaldäer sind ein Zweig der Aramäer; sie sind ein aramäischer Stamm. Sie dringen ab 900 v. Chr. in Babylonien ein, reißen um 700 vorübergehend die Herrschaft an sich (Merodachbaladan) und gewinnen unter der neubabylonischen Dynastie das Übergewicht im Land. «Chaldäer» wird gleichbedeutend mit «Babylonier» (Gen. 11:28ff). Später wird Chaldäer zum Begriff für die neubabylonische Priesterschaft, die Astronomie, Astrologie und Magie im Mittelmeerraum verbreitet (Dan. 2:2ff) und zur Bezeichnung von Sterndeutern und Magiern überhaupt.
Diese aramäische Stammesgruppe in Südbabylonien gründete nach 1000 v. Chr. in später genannten Landschaft «Chaldäa» (Kaldu) etliche Kleinstaaten, die insbesondere gegen die Assyrer in Babylonien erbitterten Widerstand leisteten (Brockhaus Enzyklopädie, Bd. 3, Wiesbaden 17. Auflage 1967, 680). Im Jahre 626 gründete Nabopolassar der Chaldäer das «Neubabylonische Reich». Die Chaldo-Aramäer errichten ihre Glanzzeit unter Nabochadnessar II., Sohn Nabopolassars. Ihre Dynastie wurde unter Labaschi-Marduk bzw. Nabonid ein Ende gesetzt.
Die heutigen Chaldäer (Syro-Chaldäische Kirche; mit Rom uniert) berufen sich auf diesen aramäischen Stamm.
Begründer Nabopolassar (625-606). Er vernichtete das assyrische Großreich im Jahre 612 v. Chr.; Nebukadnessar (605-562 v. Chr.), Neriglissar (559-556 v. Chr.), Nabonid, letzter aramäisch-chaldäischer König (556-539 v. Chr.).

Hatra: Aramäischer Stadtstaat nach Christi-Zeit. Könige: Volgoses (155-165 n. Chr.), Samja (192 n. Chr.), Sanatrok (300-340 n. Chr.)

Palmyrenisches Reich: Aramäisches Reich nach Christi-Zeit in Tadmor-Syrien. Könige: Odenatus/Odenata (255-267 n. Chr.), Ehemann Zenobia´s; Zenobia/Bath-Zabbai (267-272 n. Chr.)

Abgardynastie von Edessa:
Der erste christliche Staat überhaupt. Begründer Abgar I. Könige: Abgar I-XI (132 v. Chr.-244 n. Chr.), Manu I-IX (94 v. Chr.-214 n. Chr.)

 


 

Aramäische Sprache


Die aramäischen Sprachen bilden eine genetische Untereinheit der semitischen Sprachen, die wiederum einen Zweig des Afroasiatischen darstellen. Aramäisch und Kanaanäisch (dazu gehören z. B. Hebräisch und Phönizisch) sind die Hauptzweige des Nordwestsemitischen. Die Trennung des Aramäischen vom Kanaanäischen hat im Laufe der ersten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. stattgefunden. Alle aramäischen Sprachen gehen auf das Altaramäische zurück, das seit Beginn des ersten vorchristlichen Jahrtausends belegt ist.

Aus den klassischen aramäischen Sprachen haben sich im Laufe der Jahrhunderte die heutigen neuaramäischen Sprachen entwickelt. Die etwa 15 neuaramäischen Sprachen werden von rund 1.000.000 Menschen gesprochen, die ursprünglichen Verbreitungsgebiete sind der Iran, Irak, Israel, Libanon, Syrien und die Türkei. Durch Migrationsprozesse (Flucht, Umsiedlung, Auswanderung) gelangten Sprecher aramäischer Sprachen zunächst nach Russland, in jüngerer Zeit vor allem nach West- und Mitteleuropa, Nord- und Südamerika sowie Australien.

Die wissenschaftliche Untersuchung dieser Sprachgruppe wird von der Aramaistik betrieben.

 

Historische Klassifikation der aramäischen Sprachen

Aramäischer Text über der Pforte des Klosters Mor Gabriel im Tur Abdin

Zur Position des Aramäischen innerhalb des Semitischen siehe den Artikel Semitische Sprachen.

  • Altaramäisch
    • Frühes Altaramäisch (bis um 700 v. Chr.; Sfire-Stelen u. a.)
    • Spätes Altaramäisch (um das 7. und 6. Jahrhundert v. Chr.; Hermopolis-Papyri)
  • Reichsaramäisch
    • Achämenidisches Reichsaramäisch (5. bis 3. Jahrhundert v. Chr.; Elephantine-Papyri u. a.)
  • Mittelaramäisch (ab um 200 v. Chr.)
    • Biblisches Aramäisch
    • Nabatäisch
    • Palmyrenisch
    • Hatranisch
    • Jüdisch-Mittelaramäisch (galiläische und babylonische Targume, Daniel-Buch)
  • Neuaramäisch
    • West
    • Ost
      • Nordwest
        • Turoyo (550.000)
        • Mlahsö †
      • Nordost
        • Christliche Gruppe
          • Assyrisch-Neuaramäisch (Nestorianisch-Neuaramäisch) (219.000)
          • Chaldäisch-Neuaramäisch (Kaldoyo) (200.000)
          • Hertevin (1.000)
          • Bohtan (1.000)
          • Koi-Sanjaq Surat (1.000)
          • Senaya (Sanadaj) (500)
        • Jüdische Gruppe
          • Urmiyah (Lishan Didan) (4.000)
          • Sanadaj-Kerend (Hulaula) (10.000)
          • Zachu-Armadiyah (Lishana Deni) (8.000)
          • Arbil-Koi-Sanjaq (Lishanid Noshan) (2.000)
          • Bijil (Lishanid Janan, Barzani) (fast †)
      • Südost
        • Neu-Mandäisch (5.000)

Historische Entwicklung der aramäischen Sprachen

Palmyrenische Inschrift

Altaramäisch

Die ältesten bisher bekannten Dialekte des Aramäischen stammen aus dem 10. oder 9. Jahrhundert v. Chr.. Es sind dies das das Sam'alische von Zincirli, der Dialekt der Inschrift von Tell Fekheriye, die Dialekte des zentralsyrischen Raumes und der Dialekt von Tel Deir 'Alla. Dabei ist das Sam'alische als früharamäischer Dialekt zu bewerten, während die anderen Genannten, obwohl mit einzelnen Unterschieden, als Altaramäisch zusammengefasst werden können. Bereits in assyrischer Zeit kam dann dem Aramäischen als internationaler Handels- und Diplomatensprache große Bedeutung zu. Neuassyrische Reliefs zeigen nebeneinander Schreiber, die mit einem Griffel auf Tontafeln schreiben, sich also vermutlich der akkadischen Sprache bedienten, und Schreiber mit Schriftrollen, die aramäische Texte verfassen. Aramäische Inschriften des 7. Jahrhundert v. Chr. sind zum Beispiel aus Zincirli und Nerab in Nordsyrien/Südostanatolien bekannt. Eine aramäische Inschrift aus Tappeh Qalayci bei Bukan im Westiran zeigt, wie weit nördlich die Sprache bereits im 8. oder 7. Jahrhundert verbreitet war. Weiter im Osten tragen noch einige Luristan-Bronzen aramäische Inschriften[1]. Sie stammen vielleicht aus dem 8. Jahrhundert[2], die Datierung ist jedoch ohne stratifizierbare Funde schwierig.

Reichs- und Mittelaramäisch

Im mehrsprachigen Perserreich wurde Aramäisch unter den Achämeniden zu einer der offiziellen Reichssprachen („Reichsaramäisch"); es war von Kleinasien und Ägypten bis zum Indus verbreitet. Die immer größer werdende Bedeutung spiegelt sich auch im Alten Testament wider, wo einige Textpassagen in aramäischer Sprache verfasst sind. Da das Hebräische in der 2. Hälfte des 1. Jt. v. Chr. die Schriftzeichen des Aramäischen übernommen hat („Quadratschrift"), werden innerhalb des Judentums heute beide Sprachen in derselben Schrift mit 22 Konsonantenzeichen geschrieben. Andere Dialekte wie das Palmyrenische, Nabatäische, Syrische etc. entwickelten eigene Schriftformen.

Aus Tayma in Arabien sind aramäische Inschriften bekannt, die um 500 v. Chr. datieren. Auch im Gebiet der Nabatäer wurden zahlreiche aramäische Inschriften gefunden, wie auch auf dem Sinai. Aus parthischer Zeit stammen zahlreiche Ostraka in aramäischer Sprache aus Nisa in Turkmenistan. Dabei handelt es sich vor allem um Wirtschaftstexte, Bestellungen der Palastküche.

In Palästina verdrängte das Aramäische das Hebräische zunehmend. Zur Zeit Jesu wurde dort überwiegend Aramäisch gesprochen, und aramäische Wendungen innerhalb des Griechischen Neuen Testaments, zum Beispiel Abba (eine Anrede Gottes im Gebet (Aramäisch: „Lieber Vater"/„Vati"), Pascha, Hosanna, zeigen, dass Aramäisch auch die Sprache Jesu war. Auch zahlreiche Texte, die in Qumran gefunden wurden, sind aramäisch verfasst. Da in der rabbinischen Literatur das Wort „aramäisch" aber mit heidnisch gleichgesetzt war, bezeichnete man die Sprache lieber als „syrisch". Um die Zeitenwende war Aramäisch neben der griechischen Koine die allgemein gebrauchte Verkehrssprache des Nahen Ostens.

Klassisches Aramäisch

Die palästinischen Targume (Bibelübersetzungen) und der palästinische bzw. Jerusalemer Talmud dokumentieren das Jüdisch-Palästinische, welches wie das Christlich-Palästinische und das Samaritanische zum Westaramäischen Sprachzweig gehört. Daneben gab es das Ostaramäische. Es wird vertreten durch die Sprache, in der der babylonische Talmud verfasst wurde. Nahe verwandt ist das Mandäische. Ein wichtiger Vertreter des Zentralaramäischen ist das Syrische, das zum Beispiel in der Peschitta (aramäische Bibelübersetzung) und in Schriften der Kirchenväter dokumentiert ist.

Neuaramäisch

Mit der Ausbreitung des Islams wurde das Aramäische zunehmend vom Arabischen zurückgedrängt; heute wird es in Form neuaramäischer Sprachen nur noch in einigen Dörfern im Libanon, in der Türkei, in Syrien, im Irak und im Iran, meist von Christen, und in Israel von Juden gesprochen. Die Anzahl der aramäisch-sprachigen Menschen in Syrien wird mit rund 150.000 angegeben. Seit dem 6. Oktober 1997 besteht in der Türkei ein offizielles Unterrichtsverbot für Aramäisch.[3]

Sprachen, die aus dem Alt- und Mittelaramäischen hervorgegangen sind, werden heute von zahlreichen Menschen gesprochen, die vornehmlich in Australien, in den USA, in Kanada, in Brasilien, in Argentinien, in Mexiko, im Libanon, in Jordanien, in Syrien, im Irak, in Israel und in Europa (zum Beispiel in Deutschland oder Österreich) leben.

Verfolgung und Auswanderung

Seit Beginn der Islamisierung der Araber und vor allem unter der Herrschaft der Mongolen, Osmanen, Türken und Kurden erlebten die Christen im vorderen Orient eine ständige religiöse und politische Verfolgung und mussten unter der Missachtung ihrer Menschenrechte leiden. Zu Beginn unseres Jahrhunderts, 1914/15 wurden über 2 Millionen christliche Armenier und etwa 1.000.000 Aramäische Christen (Syrisch-Orthodoxe, Syro-Nestorianer, heute Assyrer nennen, Syro-Chaldäer, Syro-Melkiten und Syro-Protestanten) massakriert. Allein in den letzten Jahren wurden über 35 syrisch-orthodoxe Christen in der Region Tur-Abdin umgebracht. Der islamisch-religiöse Fanatismus und türkische Nationalismus haben bis heute kein Ende genommen. Die Konflikte im Nahen Osten und vor allem die Veränderung der Menschenrechtssituation im Tur-Abdin zwangen viele aramäische Christen, ihre Heimat zu verlassen. Seit Beginn der 60er Jahre nutzten viele die Gelegenheit, als Gastarbeiter in europäische Staaten auszuwandern. Danach, etwa seit der Mitte der 70er Jahre, als sich die Lage im Tur-Abdin weiter zuspitzte, mussten viele aramäische Christen fliehen und in den europäischen Staaten Asyl beantragen.